Schnecke
* Aus dem Leben gegriffen mit Edeltraud Haischberger *

Raus aus dem Schneckenhaus

„Mei, heut tät i gern an Schutzpanzer wie a Schneck haben!“ hat sich wohl schon öfter jemand von uns gedacht. So einen Schutz der mir zur Verfügung steht, wenn ein Gespräch mit dem Chef ansteht, oder bei einer unangenehmen Konfrontation und besonders, wenn ich mich angegriffen fühle. Auch in Gesellschaft von mir unbekannten Menschen wünsche ich mir manchmal einen „Unsichtbarkeitsmantel“! Wir kennen alle noch viele Situationen mehr.
Und instinktiv haben wir uns schon sehr oft so einen Schutz zugelegt, manchmal nur für Stunden, manchmal dauerhaft.
Es gibt unzählige Möglichkeiten wie so ein Schutz aussehen kann. Jeder Mensch hat seine eigene Methode, sich, oft sogar unbewusst, zu schützen.
Schutzpanzer, von der sogar die Psychologie spricht, sind:
• Dick sein. Ich baue einen Panzer aus Fett um mich auf.
• Sich komplett zurücknehmen – das geht soweit, dass manche Menschen nicht mehr aus dem Haus gehen.
• Den anderen die Schuld für alles geben.
• Cholerisch andere beschimpfen.
• Schweigen – einfach nicht reagieren.
• Allergisch auf jemanden reagieren
• Auf alle Fälle dem anderen recht geben (Dann kann mich niemand angreifen!).
Schutzpanzer erfüllen ihren Zweck. Sie schützen uns vor etwas. Im Idealfall nehmen sie uns Angst und geben uns Zuversicht. Aber sie können uns auch einsam machen.
Ein Beispiel: Viele wissen schon, dass wir leicht die Meinung von anderen Menschen übernehmen. Und genau das machen wir ständig auch mit Gedanken anderer, natürlich unbewusst. Sicher ist Ihnen das auch schon einmal passiert: Sie gehen jemanden besuchen, vielleicht die Oma, sind bester Laune. Kaum sind Sie ein paar Minuten dort, wechselt Ihre Laune von gut auf besorgt oder leidend. Was ist nun passiert? Sie haben die Gedanken und Energie Ihrer Oma übernommen. Ist ja nicht schlimm, wenn Ihnen das bewusst ist und Sie es sofort bemerken und sich klarmachen: Halt, das bin momentan nicht ich. Ich bin im Energiekreis der Oma, HALT! Genauso kann es Ihnen bei größeren Menschenmengen gehen. Auf einmal spüren Sie, irgendwas stimmt da nicht, oder es wird Ihnen ganz komisch. Nein, meistens ist es nicht der Kreislauf, sondern diese vielen verschiedenen Energien rundum.
Sie können sich hier in einer so großen Menschenmenge vorstellen, dass um Sie herum genug Platz ist und dass Sie ganz bewusst keine Energie von anderen annehmen.
Die Kehrseite von Schutzpanzern ist aber auch, dass wir uns überbeschützen und nicht mehr richtig am Leben teilnehmen. Sie schneiden sich von schönen Dingen ab und halten sich selbst klein, einfach weil Sie aus Angst und Unsicherheit nicht mehr über Ihren Schutzwall blicken.
Vielleicht denken Sie jetzt, na damit kann ich ja gar nichts anfangen, wo soll ich denn einen Schutzpanzer haben?
Mechanismen uns zu schützen sind automatisch in uns eingebaut.
• Denken Sie nur, wenn Sie jemand begegnen, den Sie partout nicht ausstehen können. Vielleicht wechseln Sie dann ganz intuitiv die Straßenseite, weil sie diesen Menschen „automatisch“ aus dem Weg gehen. Eine Funktion unseres eingebauten Schutzes.
• Sie sind bei einer Geschäftseinladung und fühlen sich überhaupt nicht wohl. Ihre vor der Brust geschränkten Arme zeigen deutlich: „Lasst mich in Ruhe!“ Auch eine Aktion Ihres Inneren, Sie zu schützen.
• Ein Stein in Ihrer Hosentasche, bekommen von einer lieben Freundin, hat ebenfalls eine Schutzfunktion. Denken Sie an die Gebetssteine, oder die Gebetsmühlen, die Schutz bieten sollen.
Beobachten Sie sich, finden Sie heraus, wo fühle ich mich wohl, wie verhalte ich mich, wenn ich mich geliebt und anerkannt fühle? Bin ich dann frei und spreche frei von der Leber weg?

Wie verhalte ich mich, wenn ich ängstlich und unsicher bin?
Und vor allen Dingen, wie kann ich es ändern?
• Sie begegnen jemanden, wo Sie denken: „Oh Gott, warum passiert mir das, wo ist das nächste Mauseloch?“ Tun Sie es nicht! Laufen Sie nicht davon! Straffen Sie die Schultern und auf geht´s, schauen Sie nach vorne, starten Sie Ihr inneres Lächeln und DURCH! Sie werden sehen, Sie schaffen das. Und dann atmen Sie tief durch und klopfen sich auf die Schulter! Geschafft, ich habe es tatsächlich geschafft.
• Wenn Sie wieder einmal bemerken, dass Sie sich als graues Mäuschen fühlen und mit vor der Brust verschränkten Armen alleine in einer Ecke stehen, dann geben Sie sich innerlich einen Stoß! Hey, ich gehöre ebenfalls zu dieser Gesellschaft! Starten Sie los, direkt zum Büffet. Lächeln Sie und schauen Sie rundum. Niemand beißt sie, niemand will Ihnen Böses. Genießen Sie es, dass Sie es geschafft haben, diese Ecke zu verlassen und dass Sie ans Büffet gekommen sind. Fragen Sie Ihren Büffetnachbarn, welche Schmankerl er empfehlen kann. Sie werden sehen, Sie sind mächtig stolz auf sich selbst.
Wenn Sie es erst einmal geschafft haben, dann wird es von Mal zu Mal leichter.

Raus aus dem Schneckenhaus
Unsicherheit und wenig Selbstvertrauen sind die idealen Voraussetzungen, sich ins Schneckenhaus zurück zu ziehen. Und ich weiß, dass es sehr schwierig ist, da wieder raus zu kommen. Kränkungen, Verletzungen, Gefühle, wie sich nicht anerkannt zu fühlen, sitzen tief. Und irgendwie fühlt es sich ja gemütlich an, im Schneckenhaus seine Ruhe zu haben.
Aber wollen Sie das wirklich? Nicht so richtig am Leben teilhaben, nur weil Sie Kränkungen fürchten, oder sich in Gesellschaften unsicher fühlen?
Wir sind auf der Welt um glücklich zu leben. Mag schon sein, dass Sie sich im Schneckenhaus glücklich fühlen, einfach, weil Sie nichts dazu tun müssen und Sie auch in gewisser Weise nicht angreifbar sind.
Aber bedenken Sie: Schneckenhäuser sind klein und werden leicht zusammengetreten. Was dann? Dann landen Sie in der Wirklichkeit! Es ist einfach besser, sich gleich den Aufgaben unserer Welt zu stellen. Es ist einfach besser einmal zu sagen: „Da bin ich schrecklich nervös, kannst mir bitte dabei helfen?“ Oder einfach zuzugeben, diese Materie ist einfach nicht meine, kannst du das für mich übernehmen?“ Niemand ist Ihnen böse, wenn Sie zu sich stehen und um Hilfe bitten. Viele Menschen wählen auch die Schneckenhausvariante um nicht verletzt zu werden. Sie nehmen banale Aussprüche vom Partner sofort persönlich, fühlen sich angegriffen. Zum Beispiel sagt mein Mann zu mir: „Glaubst wirklich, dass diese Aktivität was bringt?“ Mich spornt eine solche Aussage an, zu zeigen, ich hab recht. Eine Freundin meint dazu: „Um Gottes Willen, das sagt dein Mann? Der erkennt ja deine Leistung nicht an, das würde ich nicht aushalten!“ Sie sehen, schon wieder gibt es zwei Seiten, eine banale Aussage zu interpretieren. Und wer von den Zweien macht sich das Leben schwerer? Leicht zu sehen, oder?
Warum würde es die Freundin nicht aushalten? Weil sie es sofort auf sich bezieht, weil sofort das Gefühl auftaucht: Ich bin ihm nichts wert. Weil sie kein Selbstvertrauen hat!
Darum ist es so wichtig, kontinuierlich Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufzubauen.
Immer wieder überlegen: Haben solche Aussagen mit mir persönlich zu tun? Bin ich gemeint? Und sagen Sie sich immer wieder: Ich nehme solche Aussagen einfach nicht mehr persönlich.

Wagen Sie sich einfach raus, aus dem Schneckenhaus, Sie werden sehen, das Leben ist lebenswerter, mit Mut und Selbstbewusstsein.

Text von Edeltraud Haischberger, Seminarleiterin und Organisatorin, Buchautorin von „Frau, stell dich auf die Füße“, „Sag JA zum Nein“, „Klare Grenzen setzen im Alltag!“

www.edeltraud-haischberger.at

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