neue wege gehen

Wir leben in einer extrem schnelllebigen Zeit. Viele Menschen fühlen sich zunehmend mehr überfordert. Der tatsächliche, aber auch der empfundene Druck wird immer größer. Auch die Wirtschaft fordert in immer kürzeren Zeiträumen laufend neue Ideen und Produkte. Wie kommt man zu innovativen Ideen? Wie gelingt es, ausgetrampelte Pfade zu verlassen und neue Wege einzuschlagen?

Bill Marriott, Sohn des Gründers der weltweit größten Hotelkette, hat dazu einen einfachen Tipp. Jede Führungskraft sollte seinen Mitarbeitern folgende Frage stellen: „What do you think?“. Für Marriott das Erfolgsrezept schlechthin.

Den Horizont erweitern
Die einfache Frage „Was denken Sie?“ bewirkt zweierlei. Der Befragte fühlt sich wertgeschätzt und wichtig. Er wird initiativ, übernimmt Verantwortung und denkt kreativ über das Problem nach. So werden möglicher- weise Ideen geboren, die es sonst nicht gegeben hätte. Aber auch der Chef profitiert. Er hört andere Perspektiven und Meinungen und kann so das eigene Denken hinterfragen. Klingt einfach, ist es aber in der Praxis nicht. Warum? Weil viele Chefs überzeugt sind, dass nur sie alleine die Antwort wissen. Daher wird diese Frage so selten gestellt.

Hobby-Gast-Köche
Gewohntes hinterfragt und eingefahrene Bahnen verlassen haben 2012 auch drei Freunde in Paris. „Un jour, un Chef“ heißt das einzigartige Konzept der drei Pariser. Die Idee: Im Restaurant „Un jour, un Chef“ kann jeder begeisterte Hobbykoch einen Tag lang Küchenchef sein. Die Amateurköche bewerben sich telefonisch oder über die Website mit einem Vorschlag für ein 3-gängiges Menü. Das Restaurant bereitet alles vor und übernimmt den Einkauf der benötigten Lebensmittel. Selbstverständlich wird der Hobbykoch bei seinem Gastauftritt vom Chefkoch und seinem Team unterstützt. So lernt er nicht nur selbst viel Neues, sondern hat auch die Gewissheit, dass alles perfekt gelingen wird.

Auslastung garantiert
Da das Restaurant auch für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist, kann jeder Gast entscheiden, ob er das vorgeschlagene Restaurant-Menü oder das Menü des Gastkoches wählen möchte. Um 30 Euro ist man schon dabei. Das Gastkoch-Konzept hat einen weiteren großen Vorteil. Die meisten Hobbyköche laden an „ihrem“ Abend Familie, Freunde und Bekannte ein. Damit ist regelmäßig für eine entsprechende Auslastung des Restaurants gesorgt. Mundpropagande und Medienberichte tragen
natürlich ebenfalls zum Erfolg bei.

Komplettes Outfit
Auch im hart umkämpften Bekleidungsmarkt gibt es innovative, neue Konzepte. Seit Jahren wächst die Zahl der Online-Bekleidungs-Shops rasant an. „Wie kann man in dieser Branche anders sein, als die anderen?“ haben sich auch die Gründer von „Outfittery“ gefragt. Outfittery entwickelte ein Konzept, das sich von allen anderen Anbietern unterscheidet. Der männliche Kunde kauft keine einzelnen Kleidungsstücke, sondern erhält ein komplettes Outfit, das zu seinem Typ und zu seinen Vorlieben passt.

Persönlicher Stilberater
Das Outfit wird dem Kunden von seinem persönlichen Stilberater zusammengestellt. Auch das ist einzigartig, denn die persönliche Beratung erfolgt durch echte Menschen, nicht durch Algorithmen. Unter dem Motto „Erhalte inspirierende Outfits von einem Stylisten – genau passend zu Deinem Profil“ wird das Einkaufen für männliche Shopping-Muffel zu einer echten Erleichterung. Das vom Stylisten ausgewählte Outfit wird nach Hause geschickt, wo der Kunde alles in Ruhe probieren kann. Er bezahlt nur, was er auch behält, alles andere kann er kostenlos retour schicken. Mittlerweile wurde diese Idee auch mehrfach kopiert, unter anderem von Marktführer Zalando. Aber, der erste im Markt hat immer auch einen Wettbewerbsvorteil. Denken Sie an Red Bull. Obwohl es mittlerweile viele Kopien gibt, steht die Marke Red Bull wie kein anderes Produkt für Energiedrinks, die noch dazu Flügel verleihen.

Text: Mag Heide Kühnel, Marketingberaterin, www.kuehnel-marketing.at