Klaus Müllegger aus Ebensee fertigt ganz besondere Krippen in seiner kleinen Werkstatt: er hat sich schon vor Jahren auf das Schnitzen sogenannter Blockkrippen spezialisiert. Wie diese entstehen und welche Kunstfertigkeit dahintersteckt, zeigte und erklärte er mir bei meinem Besuch im Ortsteil Rindbach.

Die einzigartigen Blockkrippen des Krippenschnitzers bestehen aus sechs Lindenholzblöcken, je 10 bis 12 Zentimeter stark, etwa 60 Zentimeter breit und 30 bis 80 Zentimeter hoch. Der höchste Block bildet den Hintergrund, das „Himmlische Gwammlad” (Gewimmel), der niedrigste Block wird ganz vorne platziert. Charakteristisch für eine Blockkrippe ist, dass eine ganze Szene aus einem einzigen Block geschnitzt wird, oder wie bei Klaus Müllegger sechs Ebenen aus sechs Blöcken, die dann zum Schluss stufenartig zusammengefügt werden, wodurch sich eine wunderbare Perspektive auf die Darstellung ergibt.

Ungefähr 300 Stunden arbeitet Klaus Müllegger an einer großen Blockkrippe, bis sie „gefasst” werden kann. Als „Fassen” bezeichnet man das Bemalen der Krippe, was ebenfalls eine Kunst für sich ist und vom Krippenschnitzer vertrauensvoll in die Hände von Christine Gaigg aus Ebensee gelegt wird. „Sie weiß genau, wie ich die Figuren, vor allem deren Gesichter herausgearbeitet haben möchte.” Denn darauf lege er besonders viel Wert, dass jede Figur seine eigene Geschichte erzählt, und auch, dass die dargestellte Szene Andacht und Ehrfurcht zum Ausdruck bringt und „keiner einen Kasperl obareißt”, wie das bei manchen Krippen der Fall sei.

Mich persönlich faszinierte besonders die bei Klaus im Haus ausgestellte Ebenseer Blockkrippe. Im Hinter-grund sind der Traunstein, der Traunsee und die Ebenseer Kirche zu sehen und im Zentrum die Heilige Familie, die ebenso wie die um sie herum stehenden Besucher die für die fünfziger Jahre in Ebensee typischen Gewänder tragen. Josef im Hubertusmantel, Maria mit Wollmantel und Kopftuch und Kinder in dicken Wollpullovern mit Knickerbockern und Wollstutzen gibt es da zu sehen. Auch die mitgebrachten Gaben erinnern an die damaligen Lebensumstände im Salinenort zu der Zeit, als der Schnitzer selbst ein Kind war: Selbstgestricktes, Äpfel, Brot und Wurst, ein Stamperl Schnaps zum Aufwärmen und Knödel auf grüngeflammten Tellern.

Diese prächtige Ebenseer Blockkrippe sowie eine ebenso kunstvolle orientalische Krippe kann im Zuge der Ebenseer Kripperlroas bei Klaus Müllegger besichtigt werden.

Gleich daneben gibt es eine nicht weniger eindrucksvolle orientalische Krippe zu bewundern. Auch sie wurde aus sechs Holzblöcken geschnitzt und von Frau Gaigg farbenprächtig gefasst.

Auf die Frage, wie Klaus Müllegger zum Schnitzen gekommen ist, erzählt er mir von seiner eineinhalb Jahre dauernden Reise durch den Norden Amerikas, als er 52 Jahre jung war. In Kanada angekommen, kaufte er sich ein Kanu und ruderte insgesamt 3.300 Kilometer vom Lake Teslin in Yukon über Alaska zur Beringsee. Auf seiner Abenteuerreise lernte er viele Menschen kennen, darunter auch aus der indianischen Bevölkerung. Sie schnitzten Tiermotive wie Lachse, Bären und Adler in mühevoller Handarbeit mit einfachsten Werkzeugen unter anderem in Elchgeweihe. Klaus Müllegger war davon so fasziniert, dass er beschloss, selbst schnitzen zu lernen.

Wieder nach Hause zurückgekehrt, belegte er erst einmal vier Schnitzkurse in Folge bei einer Bildhauerin, um sich die Grundtechniken anzueignen, bevor er seinen eigenen Stil entwickelte. Die ersten Werke waren geprägt von indianischen sowie auch zeitkritischen Motiven, erst später kamen sakrale Motive und Krippen hinzu.

„Die Leute sollen sehen, dass man auch mit über siebzig noch was Ordentliches schaffen kann,” sagt er abschließend, nachdem er mir einen überaus interessanten Einblick in seine Arbeit und sein Leben gewährt hat. Davon konnte mich Klaus mehr als eindrucksvoll überzeugen.

Wenn Sie ebenfalls Interesse haben, seine einzigartigen Krippen zu besichtigen, haben Sie dazu während der Ebenseer Kripperlroas Gelegenheit oder schon ab 5. Dezember 2019
nach Voranmeldung direkt bei Klaus
Müllegger. Tel.: 0681 10362259

Text und Fotos: Karin Oesch

Erschienen in “Leben im Salzkammergut” / Ausgabe Dezember 2019