Woran denken Sie, wenn Sie „räuchern“ hören? An den berühmten Steckerlfisch vom Salzkammergut, den geräucherten Hirschspeck, an Räucherstäbchen und OHM-Gesänge oder an die alten Rituale, die Sie in Ihrer eigenen Familie vielleicht erlebt haben und sogar noch weiterführen?

Für alle, die an die ersten Punkte denken, ja auch das ist Räuchern und hat die gleichen Wurzeln wie das Räuchern, um das es mir hier geht. Räuchern heißt, bestimmte Kräuter mit einer bestimmten Absicht zu verbrennen. Das Räuchern, über das ich hier ein paar Worte schreiben möchte, ist das Räuchern zu bestimmten Themen, Anlässen und Schwerpunkten. Es ist jenes Räuchern, das in unserer Kultur eine ebenso lange Tradition hat wie das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Rauch. Es ist jenes Räuchern, das vor allem in den ländlichen Gebieten noch gelebt wird. In den Städten und urbanen Bereichen ist es immer mehr in den Hintergrund gerückt und sucht sich, vielleicht auch ob der schnelllebigen Zeit, wieder seinen Weg ins Leben. Räuchern und Stadt? Räuchern im Alltag und in unserer heutigen Zeit? Passt das zusammen? Ja – und ich sage Ihnen auch warum.


Räuchern hat eine lange Tradition.
Per Zufall haben unsere Vorfahren entdeckt, wie unterschiedliche Kräuter, Harze und Pflanzen wirken. Anfangs durch Versuch und Irrtum, dann ganz bewusst. Sie haben experimentiert und ihr Wissen an die nächsten Generationen weitergegeben. Es wurde des Duftes wegen geräuchert, um zu heilen, um andere Welten zu bereisen, zu reinigen, zu segnen, zu desinfizieren. Um Rituale zu feiern, bei bestimmten Anlässen, zu bestimmten Jahreszeiten. Man weiß zum Beispiel, dass zu Pestzeiten in vielen Gebieten Englands und Frankreichs ganze Wacholderbuschen verbrannt wurden. Der schwarze Tod hatte so kaum eine Chance – er wurde im wahrsten Sinne ausgeräuchert. Das heißt, schon lange bevor die Wirkstoffe der Pflanzen erforscht waren, hat man ihre Wirkweise erkannt und genutzt.


Soll ich jetzt einfach Kräuter abfackeln und alles ist gut?
Nein, erstens ist das nicht jedermanns Sache. Zweitens braucht es nicht unbedingt eine immense Rauchentwicklung, um die Wirkstoffe der Pflanzen freizusetzen. Drittens geht es nicht nur um das reine Verbrennen der Pflanzen. Welche Möglichkeiten es gibt, um Räuchern wieder Teil des Alltags werden zu lassen, erfahren Sie weiter unten. Zuerst möchte ich Ihnen kurz beschreiben, worum es geht und vor allem, wie es wirkt.


Warum eigentlich räuchern?
Erstens geht es darum, die Wirkstoffe der Pflanze freizusetzen. Was beim Tee das Wasser, bei den Tinkturen der Alkohol oder bei den Essenzen das Sonnenlicht macht, macht beim Räuchern das Feuer. Über das Verbrennen bzw. Erhitzen werden nicht nur die grobstofflichen, sondern auch die feinstofflichen Wirkstoffe freigesetzt. Über den Rauch gelangen die entsprechenden Stoffe und Eigenschaften in die Luft und in unseren Organismus. Sie tragen so zur Heilung, Reinigung, Entspannung, Erleichterung oder Ähnlichem bei. Sie klären Energien, wenn in einem Raum „dicke Luft ist“. Sie helfen der Konzentration, wenn die Gedanken kreisen und ein Fokussieren unmöglich scheint. Sie helfen loszulassen und schützen. Sie erden und unterstützen uns beim Träumen.
Zweitens geht es um die Absicht, mit der geräuchert wird, das „Wofür“ sozusagen. Dieser Aspekt ist für mich ein ganz wesentlicher Teil des Räucherns. Es ist die Haltung, mit der ich gehe. Der Rauch trägt unsere Absicht zum Himmel. Er verbindet das Weltliche mit dem Geistlichen, Mutter Erde mit Vater Himmel. Er ist die Brücke für unsere Wünsche, Gedanken und Gebete.


Ist Räuchern Männersache?
Heute noch werden in vielen Familien zu den Rauhnächten der Hof, das Vieh, die Felder und der Stall ausgeräuchert. Oft setzt man sich auch noch einen Hut auf, den man zuvor über den Rauch gehalten hat. Man bittet so um Segen, Gesundheit und Wohlstand für alle. Was ich besonders spannend finde: in vielen Familien war oder ist es der Vater, der mit dem Räucherwerk vorangeht. Gefolgt von den Söhnen, den Töchtern und am Ende der „Prozession“ der Frau. Fast so, als wolle er seine Lieben schützen, sollte doch etwas „in der Luft“ liegen. Unterstützt wird seine Absicht mit den entsprechenden Kräutern, Pflanzen und Harzen.
Heute sind es vorrangig Frauen, die sich dem Thema Räuchern verbunden fühlen. Wäre es nicht schön, wenn Mann und Frau gemeinsam den Weg zum Räuchern wiederfinden würden? Das Feuer – die männliche Kraft, die mithilft, die Kräfte der Pflanzen freizusetzten. Die Pflanzen, die für Mutter Erde stehen und in sich wieder das Männliche, Weibliche oder beide Qualitäten vereinen. Im Rauch finden sie die Verbindung.


Wie wird geräuchert?
Und wie genau können Sie jetzt das Räuchern in Ihren Alltag einbinden? Von der Grundtechnik her haben Sie drei Möglichkeiten. Entweder so, wie es viele von Ihnen wahrscheinlich kennen: mit Räucherkohle, die in einer feuerfesten Schale mit Sand entzündet wird und auf die, nachdem die Kohle grau geworden ist, die Kräuter gelegt werden. Sie können aber auch, wenn Sie im Besitz eines Kachelofens oder Tischherdes sind, da ein Stück glühende Kohle entnehmen. Vorsichtig versteht sich! Diese Form hat die stärkste Rauchentwicklung. Ich persönliche räuchere ohne Kohle. Ich mache mir eine Basismischung aus Beifuß, Salbei und Harz auf Vorrat. Zu dieser gebe ich dann die Kräuter hinzu. Die Basismischung übernimmt die Aufgabe der Räucherkohle. Es raucht, aber wesentlich weniger. Haben sie also das Gefühl, es ist dicke Luft, es hängt noch was in der Luft, sind diese beiden Methoden sicher optimal.
Wenn Sie eine sanftere Methode bevorzugen, die Sie vielleicht wie Zähneputzen in Ihren Alltag integrieren wollen, dann ist die Methode mit der Duftlampe und dem Siebeinsatz die Richtige für Sie. Hier legen Sie die Kräuter auf den Siebeinsatz und die Wärme der Flamme tut das Ihrige. Diese Methode eignet sich auch bestens für’s Büro. Sie ist quasi die altmodische Version der Duftkerzen oder Duftstäbchen, die es jetzt ja überall zu kaufen gibt. Mit dem Vorteil – sie ist natürlich und ohne chemische Zusätze. Vorausgesetzt, Sie achten auf eine gute Qualität der Pflanzen. Sollten Sie Harze mit dieser Methode verräuchern wollen, gibt es für den Siebeinsatz noch extra Metallplättchen.


Kleine Räucher-Hausapotheke
Jetzt möchte ich Ihnen noch ein paar Kräuter ans Herz legen, die für diese Jahreszeit besonders hilfreich sind und ich selber für mich und meine Lieben immer wieder verwende. – Bahnt sich eine Erkältung an, drohen Bakterien und Viren herumzuschwirren, räuchere ich nicht nur unser Haus, sondern wirklich uns selber mit Salbei, Lorbeer und/oder
Wacholder ab. Diese Kräuter, getrocknet versteht sich, lassen sich gut in einer feuerfesten Form anzünden. Mit ein bisschen pusten oder einer Feder kann ich dann den Rauch verteilen und sogar vorsichtig einatmen.
– Sollte dicke Luft herrschen, lässt sich diese mit einer Räucherung bestehend aus Beifuß, Salbei, Schafgarbe und Eisenkraut wieder klären.
– Wenn Ihnen im Winter die Decke auf den Kopf fällt und Sie sich nach Licht und Wärme sehnen, können Johanniskraut, Labkraut, Goldrute und Alant sehr hilfreich sein.
Wenn Sie sich jetzt fragen, wo Sie die Kräuter denn bitte um diese Jahreszeit herbekommen – hier meine Antwort: Vieles finden Sie in Ihrer Küche. Wenn Sie biologische Kräuter zum Kochen verwenden, können Sie diese genauso gut zum Räuchern nehmen. So mache ich es zum Beispiel mit dem Lorbeer oder den Wacholderbeeren. Auch in gut sortierten Fachgeschäften oder bei den Kräuterfrauen und -männern in Ihrer Umgebung können Sie Kräuter und Harze erstehen oder gegen Selbstgemachtes tauschen.
Einiges habe ich aber auch schon bei mir in der Apotheke gekauft.
Was mir noch ganz wichtig ist: wie bei vielem gilt auch beim Räuchern – weniger ist oft mehr! Ein, zwei gezielt ausgesuchte Kräuter wirken oft besser, als alle Kräuter zu einem Thema zusammen verräuchert. Und seien Sie bitte vorsichtig, wenn kleine Kinder, Schwangere oder Menschen mit Lungenproblemen anwesend sind!


Wenn Sie Freude am Räuchern finden und Ihre Neugier geweckt ist, können Sie ja ab dem nächsten Frühjahr gezielt beim Spazierengehen sammeln oder die Kräuter in Ihrem Garten ziehen. Wenn Sie sich unsicher sind: es gibt viele tolle Angebote für Kräuter- und Themenwanderungen.
Sie sehen schon, auch beim Räuchern ist für jedes Thema ein Kraut gewachsen. Finden Sie Ihres. Lesen Sie nach, folgen Sie Ihrem Gefühl und laden Sie es in Ihr Leben ein!

Text und Fotos:

Ute G. Wallner
Sinnzentriertes Coaching & Zukunftsgestaltung
Praxis: Gasteig 192,
8990 Bad Aussee
+43 (0) 676 631 29 61
www.ute-wallner.at

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