Es wird wieder gebastelt, gestrickt, genäht, getöpfert und geknüpft in den heimischen Wohnzimmern! Handarbeiten als Hobby ist gar nicht verzopft, sondern eine wunderbare Möglichkeit, sich selbst zum Ausdruck zu bringen und dabei etwas Einmaliges mit den eigenen Händen zu erschaffen.

Schon seit einigen Jahren steht DIY (engl. Do it yourself – auf deutsch: Mach es selbst!) wieder hoch im Kurs. Während man früher bei Handarbeiten hauptsächlich an die unvermeidlichen Pullis von Oma dachte, die zwar lieb gemeint waren, aber selten dem Geschmack der Beschenkten entsprachen, so steht Handarbeit heute für gelebte Kreativität und Individualität. Im Zeitalter von Massenwaren und Billigprodukten an jeder Ecke ist man wieder stolz darauf, ein Einzelstück mit den eigenen Händen erschaffen zu haben. Dabei ist es nicht einmal wichtig, ob das gute Stück am Ende perfekt geworden ist. Es geht vielmehr um den Spaß, den man dabei hatte. Gerade jetzt im Herbst, wenn es wieder früher dunkel wird, kann Handarbeiten eine willkommene Alternative zur abendlichen Dauerberieselung durch den Fernseher sein.

Wellness mit zwei Nadeln
Wer es einmal ausprobiert hat, weiß: Stricken entspannt und beruhigt. Das leise Klimpern der Nadeln und die gleichmäßige Bewegung haben fast etwas Meditatives. Ist das der Grund, warum unsere Groß- und Urgroßmütter immer so große Ruhe ausgestrahlt haben?

Die Zeit, in der Uroma im Schaukelstuhl leise vor sich hingestrickt hat, damit Uropa wieder neue Socken bekommt, ist vorbei. Wer heute strickt, näht, häkelt oder stickt, dem geht es vor allem darum, ein individuelles Einzelstück zu fertigen und um seine Kreativität zum Ausdruck zu bringen. Dass Handarbeiten keine Frage des Alters ist, steht schon längst nicht mehr zur Debatte. Das beweisen auch die zahlreichen Blogs im Internet zu diesem Thema, die vor allem von jungen Frauen und sogar Teenies betrieben werden. Viele junge Mütter finden durch das Anfertigen der ersten Babysachen oder später durch das gemeinsame Basteln mit ihren Kindern zurück zur Freude an kreativ-schöpferischen Tätigkeiten. Und für alle, die seit dem Handarbeitsunterricht in der Schule nicht mehr mit Nadeln, Wolle, Stoffen und Co. gewerkt haben, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Strick-, Häkel- oder Nähsets mit leicht erlernbaren Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die schnelle Erfolge garantieren.

Aus Alt mach Neu
Eine Patchworkdecke aus den alten Kinderkleidchen der Tochter, eine trendige Einkaufstasche aus der ausgewaschenen Lieblingsjeans oder ein Sitzsack aus den wertvollen aber ungenutzten Samtvorhängen von anno dazumal – aus alten Materialien Neues entstehen zu lassen, macht in zweierlei Hinsicht glücklich und zufrieden. Hier zählt nicht nur das kreative Ergebnis, sondern auch die Tatsache, ausrangierte Dinge sinnvoll zu verwerten und damit Geld zu sparen und Abfall zu minimieren.

Erschienen in “Leben im Salzkammergut”, Ausgabe September / 06/2019

Text: Karin Oesch, Beitragsbild: Adobe Stock

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