Im Salzkammergut gibt es neben Frühling, Sommer, Herbst und Winter auch noch eine fünfte Jahreszeit: die Faschingszeit! Und die dauert fast überall vom Faschingsamstag bis zum Aschermittwoch und verlangt allen Mitwirkenden – und auch den Daheimgebliebenen – einiges ab. So mancher Ebenseer oder Ausseer ist unermüdlich unterwegs und findet erst nach drei oder vier Tagen wieder heim. Das erfordert viel Kraft und Ausdauer.

 Wer jetzt annimmt, der Fasching ist ein willkommener Anlass, sich Tage und Nächte um die Ohren zu schlagen, der irrt. Der Fasching hat eine zweitausend Jahre alte Tradition, deren Ursprung in den Fruchtbarkeits-und Lichterfesten der Kelten zu finden ist. Mit Verkleidung und Lärm wollte man Geister und Dämonen vertreiben, die die neu erwachende Natur bedrohen könnten.

Flinserl und Fetz´n

 Bei uns im Salzkammergut ist der Fasching fixer Bestandteil des Brauchtums. Über Jahrhunderte haben sich Tradition und Ursprünglichkeit erhalten. Der Ausseer Fasching wird vor allem durch die Flinserl, Pless und Trommelweiber geprägt. Das Kostüm der Flinserl soll in Anlehnung an die „Fleckerl“, wie sie in einigen Orten der Umgebung im Fasching getragen wurden, entstanden sein. Das waren einfache Kostüme aus naturbelassenem Leinen und mit Flecken benäht. Daraus haben sich über hunderte Jahre die Flinserl entwickelt, die heute sicher zu den wertvollsten Brauchtumskostümen gehören. Die Herstellung eines dieser mit Spiegeln und Pailletten verzierten Kleider nimmt ca. 400 bis 500 Arbeitsstunden in Anspruch und wird deshalb nur für den Umzug verwendet. Der traditionelle Flinserlzug findet in Bad Aussee immer am Faschingdienstag statt.

Die Armut der Arbeiter in Ebensee ließ es nicht zu, eigens Kostüme anzufertigen, deshalb verwendete man hier alte, zerlumpte und mit Flicken zusammen gehaltene Kleider, die „Fetzen”. Da es kaum Zerstreuung in ihrem armen Arbeiterleben gab, waren den Ebenseern ihre „Feiertage” heilig. Salz- und Holzarbeiter hatten bereits im 17. Jahrhundert am Nachmittag des Faschingdienstag frei. Als die Salinenverwaltung 1733 dieses Privileg abschaffen wollte, kam es zur sogenannten „Faschingsdienstagsrevolte,” bei der die Arbeiter einen Streik androhten, sollte ihnen ihr Feiertag aberkannt werden. Die Saline lenkte ein.

Faschingsumzüge allerorts

 Das Ausseerland und Ebensee sind die unbestrittenen Faschingshochburgen und weit über das Salzkammergut hinaus bekannt. Umzüge, bei denen Bewohner und vor allem Politiker auf die Schaufel genommen werden, werden hier jährlich abgehalten.

Am Faschingmontag sind es in Ebensee die „Fetz´n,” die ausgelassen und laut den Fasching feiern. Im Ausseerland sorgen die Trommelweiber, gstandene Mannsbilder in Frauenkleidern, am Montag und Dienstag Vormittag für Lärm. Mit Trommeln und Trompeten wollen sie den Winter vertreiben.

Am Dienstag Nachmittag haben dann die Frühlingsboten des Ausseer Faschings, die „Flinserl” mit ihren kostbaren Kostümen ihren großen Auftritt.

Unzählige Umzüge zaubern vom Faschingsamstag bis Faschingdienstag ein buntes Straßenbild. Und auch die Kinder dürfen hier nicht fehlen. Ein besonders schöner und großer Kinderumzug, der so manchen Erwachsenenumzug in den Schatten stellt, findet am Samstag in Ebensee statt. Am Dienstag haben die Kinder beim traditionellen „Nuss-Nuss” einen weiteren großen Auftritt.

Nicht nur in Ebensee und Aussee weiß man den Fasching zu feiern – teils traditionell, stilvoll, aber auch ausgelassen. Alle Orte des Salzkammergutes geben an diesen Tagen ihr Bestes und machen sie für Einheimische und Gäste zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Wilderer Sonntag in Bad Ischl

 Am Faschingsonntag bestimmen die Wilderer das Stadtbild von Bad Ischl. Sogar auf der Katrin herrscht ab 10:00 Uhr reges Faschingstreiben. Am Fuße des Ischler Hausbergs startet um 11:00 Uhr das Warm-up zum Downhill Race, ehe um 15:00 Uhr der Startschuss zum spektakulären Maskenlauf fällt. Waghalsige Abfahrten, fantasievolle Gefährte und jede Menge Action warten dort auf die Zuschauer. Seinen krönenden Abschluss findet der Wilderer Sonntag dann im legendären Sirenenball der Feuerwehr und in den Lokalen im Stadtzentrum.

Faschingsumzug in Bad Ischl

Den Höhepunkt des Bad Ischler Faschings bildet am Faschingdienstagder große Faschingsumzug. Hunderte Mitwirkende ziehen ab 14:00 Uhr, angeführt vom Bad Ischler Prinzenpaar, dem Båder-Jågerl und seiner Frau Gertraud, rund ums Stadtzentrum.

Schwerer Abschied

Und weil´s gar so schön war, wird am Aschermittwoch der Fasching verbrannt. Mit viel Gezeter und Geschrei wird zum Beispiel in Ebensee der Fetzen in die Traun getragen und verbrannt. Gleichzeitig werden die Geldtaschln, welche vom vielen Feiern leer sind, gewaschen.

Beitragsfoto: Karin Oesch

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