Star

Tzip tri, tülip tülip überall… Wer begrüßt uns da eigentlich mit seinem fröhlichen Konzert? Wir blicken hinter die Kulissen und stellen die Stars der heimischen Singvogelszene vor!

 Bald schon lockt uns die immer intensiver werdende Märzsonne auf die sonnnigen Platzerln vorm Haus, in die umliegenden Parks oder Terrassencafés – musikalisch begleitet von den ersten zaghaften Vogelgesängen, die täglich mehr werden, bis im Frühling das Trällern, Flöten und Tirillieren seinen Höhepunkt erreicht.

Der Vogelgesang im Frühjahr dient sowohl der Revierabgrenzung als auch der Werbung um einen Brutpartner. Dabei sind es fast ausschließlich die Männchen, denn die treffen meist etwas früher an den Brutplätzen ein und müssen diese gegen gleichgeschlechtliche Rivalen verteidigen. Des Weiteren sollen die Melodien ein passendes Weibchen bezirzen.

Blaumeise
Die lebhaften kleinen Blaumeisen trillern “ti-ti-tirr”

Die heimischen Standvögel haben den Schnabel vorn

 Zu den ersten Sängern im Frühjahr zählen die Amseln, die – eigentlich Zugvögel – in großer Zahl auch bei uns überwintern. Damit ihr Gesang möglichst weithin zu hören ist, bevorzugen sie dafür erhöhte Stellen wie Baumkronen und Dachgiebel. Aber auch Kohl- und Blaumeisen, Kleiber und Haussperling (Spatzen), die den Winter bei uns verbringen, beginnen schon früh die Balz.

Bereits ab Februar treffen zu den anwesenden Standvögeln laufend Kurzstreckenzieher aus dem südwestlichen Alpen- und Mittelmeerraum wie Stare, Singdrosseln, Rotschwänze und Feldlerchen bei uns ein und bereichern das Vogelkonzert zusätzlich.

Anstatt zu singen, benutzen Buntspechte ihre Schnäbel anderweitig, um ihr Revier abzugrenzen und zur Paarung zu locken: mit zehn bis fünfzehn Schnabelschlägen pro Sekunde trommeln sie den Frühling ein.

Begnadete Gesangskünstler

Als besonders talentierter Sänger gilt der Star mit seinem metallisch schimmernden, weiß gepunkteten Gefieder. Stare geben ein abwechslungsreiches Geplauder aus knackenden, pfeifenden und schnarrenden Tönen von sich. Sein rhythmisches Singen unterstreicht der Star dabei gerne mit weit geöffneten Flügelbewegungen. Und der Aufwand lohnt sich: Starendamen finden diejenigen Männchen am attraktivsten, deren Gesang die meisten Motive enthält und die beim Singen die größte Ausdauer an den Tag legen. Daneben sind Stare auch perfekte Stimmenimitatoren: nicht nur die Gesänge anderer Vögel, auch Handyklingeltöne, Alarmanlagen oder Motorengeräusche werden täuschend ähnlich nachgemacht.

Wie schon ihr Name sagt, ist auch die Singdrossel eine begnadete Sängerin. Sie kehrt meist im März von ihrer Reise aus Südeuropa zurück und ist an ihrem bräunlichen Federkleid mit hellen Spitzen zu erkennen. Sie singt bis zu 50 Minuten lang durchgehend, charakteristisch ist ein mehrsilbiger Gesang, der zwei- bis dreimal wiederholt wird: „tülip – tülip – tülip”.

Mit ihrem Gesang von der Morgendämmerung bis zum Abend läutet die Feldlerche alljährlich den Frühling ein. Doch ist es in den vergangenen Jahren stiller geworden über unseren Feldern: Die Intensivierung der Landwirtschaft nimmt Feldvögeln den Lebensraum. Denn auch wenn es angesichts des fröhlichen Gezwitschers ringsum nicht den Anschein erweckt – tatsächlich gehen die Bestände fast aller europäischer Vogelarten in Besorgnis erregender Weise jährlich zurück und bereits etwa jede sechste Vogelart in der Europäischen Union ist vom Aussterben bedroht.

Der Vogelgesang folgt übrigens einer schematischen Abfolge, da jede Vogelart zu einer bestimmten Zeit mit ihrem Konzert beginnt – man nennt das auch „Vogeluhr“. Im Laufe des Jahres ebbt der Gesang allmählich ab und erlischt mit Ende der Fortpflanzungsperiode im Juni und Juli. Dann sind die meisten Jungvögel ausgeflogen und selbständig.

Erschienen in “Leben im Salzkammergut” – Ausgabe März 2019

Beitragsbilder: Adobe Stock

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