Kurze Bestandsaufnahme: Ich lebe in einem Haushalt mit einem Mann, zwei Kindern im Teenageralter, einer Katze und einem Hund. Wenn ich zur Haustür hereinkomme, falle ich über Müllsäcke voll alter Kleider, Kisten mit Altpapier, Altglas und Dosen. Im gesamten unteren Stock fehlen die Vorhänge an den Fenstern, auf dem Küchentisch liegen mehrere Häufchen mit unerledigtem Papierkram, direkt neben den Häufchen mit schmutzigen Putztüchern. Die Kinder haben sich vorsorglich in ihrem Zimmer zurückgezogen, der Hund trinkt aus dem Putzkübel und unsere Katze hat ihr Lager auf der Terrasse aufgeschlagen. Na, kommt Ihnen das alles bekannt vor? Richtig: Es ist Frühling und ich versuche mich im gründlichen Saubermachen!

Der erste Schritt…

Ein altes chinesisches Sprichwort besagt: Auch eine 1000 Meilen lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Den habe ich schon gemacht. Auch ein paar weitere. Und trotzdem bin ich bereits am ersten Tag dort gelandet, wo ich jedes Jahr lande: im totalen Chaos, das sich über das gesamte Haus erstreckt, mich sämtliche noch vorhandenen Nerven kostet und mich sogar vorübergehend darüber nachdenken lässt, meine Familie zusammenzupacken und in ein fernes Land auszuwandern. Nur das Wichtigste mitnehmen, das Restliche hier zu lassen und woanders von vorne beginnen…
Da meine Lieben allerdings nichts von meinen Plänen halten, muss ich eben durchhalten und zu Ende bringen, was ich so enthusiastisch angefangen habe! Und natürlich habe ich mir fest vorgenommen, dass ich ab sofort immer Ordnung halten werde und es nie wieder soweit kommen lasse!
Noch einmal chinesische Weisheit: Die Jahrtausende alte Lehre Feng Shui geht davon aus, dass jeder Ort eine Atmosphäre, eine Energie hat, die auf den Menschen negativ oder positiv wirken kann. Nur wenn die positive Lebensenergie „Chi“ frei fließen kann, sind wir in unserem Zuhause glücklich, ausgeglichen und frei. Ordnung begünstigt also den Energiefluss, während ihn Unordnung blockiert oder staut. Aufräumen bringt laut Feng Shui die Energie in Gang und hilft, Festgefahrenes wieder in Bewegung zu bringen. Ausmisten schafft nicht nur Platz für Neues, sondern ist auch immer ein Stück Vergangenheitsbewältigung. Zusammengefasst könnte man sagen: Ist unsere äußere Umgebung in Ordnung, kommt es auch in unserem Inneren zu positiven Veränderungen.


Ab in den Müll damit!
Um dorthin zu gelangen, ist es in den meisten Haushalten nötig, einmal ordentlich zu entrümpeln. Denken Sie nach: Haben sie Dinge in ihrem Haus, die sie nie verwenden und nicht einmal schön finden? Geschenke, die nett gemeint waren, die man aber nie benutzt? Gegenstände, die einem früher mal gefallen haben, die man jetzt eigentlich schrecklich altmodisch findet? Oder Kleidung, die schon längst zu eng ist und in die man trotz aller guten Vorsätze wahrscheinlich nie wieder reinpassen wird? Wenn ja, dann ist es jetzt an der Zeit, Ballast abzuwerfen und sich von unnützen Dingen und Staubfängern zu verabschieden.

Ordnung bringt Vorteile
Die meisten Menschen mögen Ordnung. Selbst diejenigen, die Probleme damit haben, Ordnung zu halten. Der Anblick eines aufgeräumten Zimmers gibt uns das Gefühl von Klarheit, ermöglicht uns einen schnellen Überblick, lenkt nicht ab und belastet nicht. Darüber hinaus spart uns Ordnung massiv Zeit: man findet Dinge schneller, weil alles seinen Platz hat, man verbringt weniger Zeit mit lästigen Nebensächlichkeiten und hat somit mehr Zeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es lohnt sich also, auszumisten, Ballast abzuwerfen und Ordnung zu halten. Auch ich werde es versuchen! Vielleicht kann ich ja auch meine Lieben dazu motivieren, mitzuhelfen.

Text: Karin Oesch, Beitragsbild: Fotolia/Adobe Stock

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