Entscheidungen

“Aus dem Leben gegriffen” von Edeltraud Haischberger

Wenn ich mich nur entscheiden könnte! Solche Seufzer höre ich öfter. Warum fallen manchen Menschen Entscheidungen so leicht und manchen so schwer?

Es beginnt schon am Morgen vor dem Kleiderschrank: Hose oder Kleid, blau oder grün…? Und es geht weiter: Was esse ich zum Frühstück? Ein Müsli oder doch ein Butterbrot? Ich kenne viele Menschen, die sich schon bei so kleinen Dingen schwertun, Entscheidungen zu treffen. Ist ja auch nicht so leicht, schließlich enthält es doch das Wort „scheiden“. Ich muss mich von etwas „scheiden“, trennen und das verunsichert. Das Leben ist ein Nehmen und Geben – ein Aufnehmen und ein Abgeben. Wie einatmen und ausatmen. Hier beginnen schon die Entscheidungen, die uns – Gott sei Dank – das Leben abnimmt. Es wäre schlimm, wenn wir immer darüber nachdenken müssten, ob wir gerade einatmen oder ausatmen müssen. Oder vielleicht gar nicht atmen? Spaß beiseite, es kommt uns allen gar nicht in den Sinn, wie viele Entscheidungen wir täglich unbewusst treffen!

Man kann sich vorstellen wie schwer es wird, wenn es dann um echte Entscheidungen geht. Da fällt mir eine lustige Geschichte aus unserem damaligen Geschäft ein. Es war ganz am Anfang, als ich all diese Sachen gelernt habe. Eine Kundin, schon ein bisschen älter, sehr ehrsam, wie man im Salzkammergut sagt, konnte sich einfach nicht zwischen zwei Kleidern entscheiden. In meiner damaligen Euphorie habe ich ihr dann mittels Armtest ausgetestet, welches Kleid genau zu ihr passt. Und das mitten im Geschäft! Sie war total begeistert – aber sicher war sie auch da noch nicht. Ja, Entscheidungen sind nicht leicht, für diese Dame aber eine wahre Herausforderung!

Warum tun sich manche Menschen einfach so schwer, sich für etwas zu entscheiden? Der Mensch hat 7 Energiezentren, die Inder sagen es sind Energieräder, die unserem Körper Energie geben und nennen sie Chakren. Sie haben alle eine bestimmte Aufgabe. Und die Entscheidungen – wo es etwas zu „scheiden“ gibt, liegen im 2. Chakra, unter dem Nabel, wo eben die Ausscheidungen sind. Hier entscheidet der Körper ständig, was man behält oder was man ausscheidet. Denken Sie an die vielen Menschen, die ständig unter Verstopfung leiden – hier hat schon der Körper seine liebe Not, zu entscheiden, was man behält und was raus muss. Menschen, die mit solchen Problemen zu mir in die Praxis kommen, frage ich immer: „Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Schrank ausgeräumt?“ Sie fangen meist zu lachen an und sagen: „Ausgeräumt habe ich, … aber i hab dann a wieder eingeräumt!“ Diese Menschen tun sich mehr als schwer, auch nur irgendwas los zu lassen. Dabei geht es nicht nur um materielle Dinge, sondern leider auch um belastende Gedanken. Sie graben sozusagen immer im alten Dreck herum. Ich weiß nicht, ob das so gut ist, wenn man immer in der Vergangenheit herumwühlt und dadurch auf das Heute vergisst? Die Vergangenheit wird nicht anders, wenn man ständig daran denkt.
Vielleicht haben Sie bei sich auch schon solche Anflüge entdeckt? Ist es uns einmal bewusst, dass sich unsere Gedanken ständig um vergangene und belastende Dinge drehen, ist schon mal der erste Schritt getan. Glauben Sie mir, ab jetzt fällt Ihnen sofort auf, wenn sie wieder in „Erinnerungen“ kramen, die Ihnen gar nicht so gut tun. Dann können Sie schon eine bisschen lächeln und denken, „Aha, schon wieder!“ und sich daraus lösen.

Natürlich gilt es im Leben oft viel größere Entscheidungenzu treffen: Heirat oder Single bleiben, Kinder ja oder nein, Wohnort in der Stadt oder auf dem Land, Berufsentscheidungen usw. Es kann einem natürlich Angst machen, wenn so große Entscheidungen anstehen. Wer weiß, was auf uns zukommt? Denken Sie z. B. an einen Jobwechsel. Sie sind zwar nicht mehr glücklich in Ihrer Firma und spekulieren mit einem Wechsel. Der neue Job hört sich wunderbar an, aber wird es auch so wunderbar? Wie werden die neuen Kollegen sein, auch so nett wie die hier? Wie ist der Chef, hört man da nicht so Manches? Ist das höhere Gehalt es wirklich wert, dieses Risiko einzugehen? Tausend Gedanken flattern durch den Kopf, negative Szenarien gaukeln uns Situationen vor, was alles passieren könnte – fern von jeder Realität. Es sind wieder einmal unsere alten Erinnerungen und Muster, die uns vorgaukeln: „Das kannst du nicht! Dafür bist du nicht geeignet! Wer weiß was auf dich zukommt!“ Und dann kommt noch dazu, dass wir glauben, diese Entscheidung müsste endgültig sein. „Weil sich das so gehört, man kann doch nicht dauernd seine Meinung ändern!“ Aber warum nicht? Wir sind unser Lebensschmied, wir entscheiden. Und wie oft wir das machen, ist alleine unsere Sache! Das bedeutet natürlich, dass wir zu uns stehen, dass wir Selbstbewusstsein beweisen und das tun, was wirklich zu uns passt! Seien Sie sicher, wenn Sie wissen, was Sie tun, dann passt es für Sie und alle anderen auch!

Manchmal kann es einem auch ergehen wie einer Bekannten von mir, die sich ganz bewusst entschieden hat, in einen wunderschönen Ort in Österreich zu ziehen. Herrliche Lage der Wohnung, Stadtzentrum zu Fuß erreichbar, schöner Park direkt vor dem Haus. Aber leider auch ein Veranstaltungszentrum, wo den ganzen Sommer Halli-Galli ist. Offene Fenster – fast nicht zum Aushalten! Jetzt steht eine neue Entscheidung an. Ausziehen, sich neu orientieren? Oder die Unannehmlichkeiten aushalten? Die Kosten eines Umzugs sind nicht gerade gering, da könnte man einige Wochen Urlaub machen, was sie sehr gerne tut. Ich bin echt neugierig, wie sie sich entscheiden wird. Ich kenne sie als eine, die bis jetzt immer zügig Entscheidungen getroffen hat. Diesmal fällt es ihr gar nicht leicht.

Ich kann sie verstehen. Ich selbst stehe gerade vor der Entscheidung,ob ich mir einen neuen E-Herd kaufe oder lieber doch nicht. So ein Klimagarer wäre schon schön, aber dann passt wieder die Arbeitsplatte nicht, alles so ein Aufwand, lohnt es sich? Ich backe und koche sehr gern, also wäre es ein Gewinn, aber die damit verbundene Arbeit? Es sind keine großen Dinge, die uns oft im Kreis denken lassen. Ich denke, diese Entscheidungsschwäche hat schon auch mit unserem Wertsystem und unserem Vertrauen zu tun. Mache ich es mir wirklich besser? Soviel Geld ausgeben, wenn der alte Herd ja eh noch in Ordnung ist. Brauch ich das wirklich? Bin ich mir das wert??? Solange Sie solche Zweifel ausstrahlen, werden Sie auch lauter Menschen treffen, die Ihre Bedenken teilen. Die Ihnen sagen: „Mit dem Geld könntest du auf Urlaub fahren, oder du gönnst dir Massagen… Das tut dir gut.“

Fragen Sie sich bei solchen Entscheidungen immer: Was habe ich für ein Gefühl, wenn ich mir zum Beispiel vorstelle: Ich bin schon in meinem neuen Job, ich sehe mich schon arbeiten…
Ich koche mit dem neuen Herd, sehe wie toll das funktioniert…
Ich lebe in einer anderen Wohnung, die mir genau entspricht….
Und fragen Sie sich auch: „Wer oder was hält mich ab, mich für Neues zu entscheiden?“ Kann es eine Stimme aus der Kindheit sein, die immer
wieder flüstert: „Geh, das brauchst doch gar nicht” Oder: „Du wirst doch das alles nicht aufgeben, wo du gar nicht weißt, ob das Neue besser wird…“
Schmeißen Sie das alles über Bord und erwarten Sie nicht, immer die absolut richtige Entscheidung zu treffen. Wir sind alle keine Hellseher. Vielleicht fragen wir uns dann manchmal, was gewesen wäre, wenn wir eine andere Wahl getroffen hätten. Es gibt halt nun mal zwei Seiten und damit kein Richtig und kein Falsch. Wir sollten einfach unseren Weg gehen oder zumindest den, der uns in diesem Moment richtig erscheint. Er ist der beste, denn er präsentiert unsere Meinung.

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen und sollte eine „falsch“ sein, na dann auf zu einer neuen Entscheidung!

Text von Edeltraud Haischberger, Seminarleiterin und Organisatorin, Buchautorin von „Frau, stell dich auf die Füße“, „Sag JA zum Nein“, „Klare Grenzen setzen im Alltag!“

www.edeltraud-haischberger.at

Beitragsbild: Adobe Stock

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