Aus dem Leben gegriffen von Edeltraud Haischberger:

„Mama, was ist selbstbewusst?“ fragt die achtjährige Lena. „Warum fragst du das, Lena?“ „Weil die Frau Lehrerin heute in der Schule sagte: Schaut euch die Lena an, die ist ein richtig selbstbewusstes Mädel!“ „Oh,“ meint die Mutter, „schau, man merkt es schon an dir!“
Lena schaut ihre Mama groß an. „Selbstbewusst ist man, wenn man sich selbst mag und wenn man darauf vertraut, dass man vieles kann. Selbstbewusste Menschen sagen nie das kann ich nicht, sie probieren es einfach. Sie sind sicher in dem, was sie tun!“ Ja, es stimmte – Lena strahlte mit ihren acht Jahren eine Sicherheit aus, um die sie viele Erwachsene beneiden könnten. Eva, die Mutter von Lena, lächelte innerlich. Sie und ihr Mann hatten offensichtlich viel richtig gemacht bei ihrer Tochter.
Lena hatte viel Freiheit genossen, wurde viel gelobt und unterstützt. Das heißt aber nicht, dass es keine Regeln gegeben hätte. Lena wusste genau, wie weit sie gehen konnte. Doch sie wurde von ihren Eltern nicht mit Sprüchen wie „das kannst du nicht“, „dafür bis zu klein“, „das muss man tun“, usw … verunsichert. Das war sicher oft nicht leicht, aber für Lena eine große Hilfe, die auch schon von der Außenwelt bemerkt wird.
Leider ist das nicht die Regel. Viele Menschen haben große Probleme, Selbstwert und Selbstbewusstsein aufzubauen, weil sie als Kinder nicht gefördert wurden. Sie wurden eher angemahnt, den Mund zu halten, das zu tun, was andere sagen und ja brav und ruhig zu sein. Wie soll man da Selbstbewusstsein aufbauen? Im Erwachsenenalter wird das eine mühselige Angelegenheit, diese alten Muster und Gewohnheiten aus dem Kopf zu bringen.
Ich denke da an eine junge Frau, die beruflich durch ihre sehr gute Ausbildung schon so jung eine leitende Stelle hatte. Sie saß weinend vor mir und erzählte, dass sie große Probleme mit ihren Mitarbeitern hat, weil sie viel zu gut ist. Sie will es allen recht machen, aber das geht als Chefin von zwanzig Frauen beim besten Willen nicht. Sie war echt verzweifelt. Hier ist es wirklich dringend notwendig, dass Bewusstsein aufgebaut wird.
Aber wie geht das, dass ich als Erwachsener Selbstbewusstsein aufbaue? Zuallererst muss ich mir eingestehen, dass das offensichtlich in meinem Leben fehlt. Dann ist es wichtig, den Glauben an mich selbst zu stärken. Das geht sehr gut mit
Affirmationen: „Ich weiß, dass ich alles kann, was ich mir vorstellen kann!“ „Ich vertraue mir und meinem Können!“ Natürlich funktioniert das nur, wenn ich in mir wirklich etwas verändern will. Wenn ich merke, so komme ich im Leben nicht weiter. Natürlich ist es leichter, den Eltern, der Gesellschaft, den Kollegen die Schuld zu geben, wenn es mir nicht so rosig geht. Doch letztendlich sind wir selbst unseres Glückes Schmied. Wir müssen uns selbst stärken und unterstützen.
Mit dem Selbstbewusstsein kommt dann der Selbstwert gleich mit. Werde ich mental stärker, weil ich mit mir arbeite, dann kommt auch das Wertgefühl. Affirmationen helfen, ja, dennoch muss ich immer auf meine Gefühle achten, wie geht es mir gerade und was kann ich gerade jetzt für mich tun. Sollten wieder so alte Sprüche wie „geh, das nützt ja sowieso nichts, bei mir geht das nicht“ hochkommen, sofort STOPP sagen. Hallo, will ich mich verändern, will ich mein Leben mit Selbstwert bereichern oder nicht? Dieses STOPP macht bewusst, ich bin schon wieder auf der falschen Schiene. Stopp, und es geht wieder weiter, wie ich es mir wünsche. Das ist manchmal nicht leicht, weil es heißt, die Verantwortung für mich selbst zu tragen. Manchmal wäre es vielleicht leichter, den Anweisungen anderer zu folgen, aber will ich das wirklich?
Gerade wir Frauen haben in dieser Richtung sicher Nachholbedarf. Machen wir uns auf die Reise in ein glückliches, selbstbewusstes, selbstbestimmtes Leben.

Text: Edeltraud Haischberger, Seminarleiterin & Buchautorin. www.edeltraud-haischberger.at

Beitragsbild: Adobe Stockfoto

Teilen